Der polnische Präsident Kwasniewski ist eine positive Lichtgestalt !:

Dezember 2004 

Mein aktueller Leserbrief dazu in der Zeitschrift "Die Presse". hier

Er sagt was er denkt und er wurde von beiden Verhandlungspartnern in der Ukraine in den Krisentagen vom Anfang an ernst genommen. Der polnische Präsident Kwasniewski hat sich seine Glaubwürdigkeit schon in den letzten Monaten / Jahren erworben und nicht erst als es darum ging nach Kiew zu pendeln um Lorbeeren zu ernten. In zahlreichen Interviews betonte er immer und immer wieder die Wichtigkeit mit dem größten Flächenstaates der Ukraine und Europa zu kooperieren. Auch hat er sich nicht davor gedrückt Probleme direkt anzusprechen. Eine raschere Heranführung der Ukraine zu Europa hat für den polnischen Präsidenten eine hohe Priorität. Er hat daher mit dem richtigen Gespür und seiner Erfahrung zu einer schnellen und unblutigen Krisenbereinigung in Kiew (mit) - beigetragen.

Kwasniewski agiert als unmittelbar angrenzender Nachbar auch im eigenen Interesse das ist klar aber tun wir das nicht alle ? ;-)

Seit 1989-90 kooperiere ich mit vielen Menschen und in vielen Bereichen mit der mir ans Herz gewachsenen Ukraine. In VIELEN Gesprächen mit Multiplikatoren im "Westen" hatte ich immer den Eindruck, daß man die Ukraine nicht "ernst" nimmt, sie belächelt und das Land auf Kriminalität, Prostitution und maffiose Strukturen (wie wenn es die bei uns nicht gäbe ...)  reduziert und  sie (die Ukraine) wie ein ungeliebtes Kind abgelegt hat. 
(In Österreich sagt man dazu im Dialekt: Net amoi ignoriern")
Das wissen aber auch viele Ukrainer die nicht den oben genannten "Branchen" angehören und die sind sauer darüber. 

Die junge Generation wächst mit Handy, Laptop und Internet auf, sie möchte Reisen, andere Länder kennen lernen, evtl. auch im Ausland studieren / und oder auch wirtschaftlich kooperieren. Wenn hier diese Demokratiebestrebungen von der EU und deren Repräsentanten nicht wie ein Ball aufgenommen werden und diesen Leuten wieder die sprichwörtliche Tür vor der Nase zugeschlagen wird und man in alte Strukturen und Denkgewohnheiten zurückfällt, dann ist der Zug um bei Metaphern zu bleiben, für Jahrzehnte ABGEFAHREN.

Im Mai dieses Jahres standen ebenfalls 1000e Leute, (www.ukraina.at berichtete darüber) darunter viele junge Menschen (auch einige meiner ukrainischen Freunde waren dabei) auf dem Platz der Unabhängigkeit, nicht aber um für den einen oder anderen Präsidentschaftskandidaten zu demonstrieren sondern um den "Europa Tag" (european day) zu zelebrieren. 

Als ich am letzten Samstag mit einer bekannten ukrainischen  Universitätsprofessorin in Kiew telefonierte und sie fragte wie es ihr geht antwortete sie lachend: "Wir haben Revolution." Sie habe 10 Leute aus Lemberg in Ihrer Wohnung untergebracht und verpflegt. Was will ich damit sagen ? Jetzt wird es Zeit, daß Europa neben Almosenspenden was tut und vorbehaltlos das Europaland Ukraine an die EU heranführt und zwar rasch. Am Ende kann dann ein EU - Beitritt stehen, muß aber nicht. 

Ich erinnere an viele Aussagen wo man Österreich als Türöffner zu den Ländern wie Tschechien, Polen, Ungarn etc. innerhalb der EU gesehen hat. Kann diese Türöffnerfunktion nicht die Ukraine erfüllen und zwar als Verbindungsglied für die kritisch beäugten Länder wie etwa Russland, Weissrussland, Moldavien etc. Länder die uns noch fremder sind als Polen, Tschechien und Ungarn ?

Die Ukraine hat derzeit eine mediale Berichterstattung wie es sie noch nie gegeben hat. Mein Pressespiegel "Ukraine" und zahlreiche Emails an mich beweisen das auch noch zusätzlich wie groß das Interesse derzeit an der Ukraine ist. Das ist eine große Chance (Wie sage ich immer: "Krise als Chance") für die Ukraine. Man interessiert sich für das Land. Diesen "Bonus" sollte die Ukraine nutzen und weiter darauf aufbauen. 

Die Welt dreht sich permanent weiter und Vorurteile die sich in unseren Köpfen über Jahre und Jahrzehnte festgesetzt haben müssen auf allen Seiten gesprengt werden aber nicht mit brutalen Mitteln sondern mit Zusammenarbeit, wirtschaftlicher Kooperation, Reisen, Weiterbildung, usw. nicht aber mit Gewalt.

Gerhard Bartosch - www.ukraina.at

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